Zitate zum Thema Lernen und Gehirn

Die folgende kleine Sammlung zum Thema „Lernen und Gehirn“ enthält Zitate von Neurowissenschaftlern, Pädagogen, Psychologen, Philosophen und Vertretern anderer Wissenschaftsbereiche, die sich mit der Frage beschäftigt haben, welchen Einfluss mentale und emotionale Prozesse auf das Lernen haben.

Unterhalb der Zitate finden Sie Anregungen, wie wir diese Erkenntnisse nutzen können, um leichter und effizienter zu lernen, insbesondere in den Bereichen Schule und Ausbildung.

Lernen und Gehirn: Zwei Zitate über Motivation

Wer andere zu motivieren versucht, will sie genau genommen nach seinen Vorstellungen bilden, erziehen, einsetzen. Das hat mit Ermutigung und Inspiration zu eigener Potentialentfaltung nichts zu tun.

Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten – Ein neurobiologischer Mutmacher, 5. Aufl. 2011, Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, S. 126


Jede Methode, die vorhat, das Pferd, das keinen Durst hat, zu tränken, ist bedauerlich. Jede Methode, die den Appetit auf Wissen anregt und das starke Bedürfnis nach Arbeit verstärkt, ist gut.

Célestin Freinet in: Inge Hansen-Schaberg/Bruno Schonig (Hrsg.) – Freinet-Pädagogik, Schneider Verlag, Hohengehren 2002, S. 79
Auszüge aus Freinets Geschichte „Vom Pferd, das keinen Durst hat“ finden Sie auf der Website der Freinet Kooperative e.V.:https://freinet-kooperative.de/grundlagen/ausgewaehlte-texte/vom-pferd-das-keinen-durst-hat/


Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Wahrnehmung

Einige Neurobiologen gehen sogar davon aus, dass weit über 99 Prozent aller Gehirntätigkeiten gehirninterne Prozesse sind und maximal 1 Prozent unserer neuronalen Aktivitäten mit der Verarbeitung von Informationen und Eindrücken beschäftigt sind, die uns von außen über unsere Sinne erreichen oder durch die Sinne ausgewählt werden.

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 2008, Beitrag von Heinz Schirp: Neurowissenschaften und Lernen, S. 113


Wir müssen lernen, unsere Aufmerksamkeit gleichzeitig in zwei Richtungen zu lenken – zum einen auf die Gegebenheiten und Anforderungen unseres äußeren Daseins, zum anderen auf die Gedanken, Emotionen und Empfindungen unseres Innenlebens.

Dennis Lewis, Das Tao des Atmens, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 53


Je mehr wir uns auf unsere Probleme konzentrieren, uns damit beschäftigen und in sie vertiefen, desto mehr verfestigen wir sie hirnphysiologisch.

Rainer Schwing/Andreas Fryszer – Systemische Beratung und Familientherapie, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2013, S. 68


Lernen und Gehirn: Vier Zitate über Gefühle

Die moderne Hirnforschung konnte zeigen, welche Bedeutung Gefühle für kognitive Prozesse haben. Sie wirken quasi als Schleuse, durch die neues Wissen ins Gehirn gelangen kann. Die Schleuse ist geschlossen, wenn negative Gefühle dominieren, dann wird weniger gut gelernt, sie ist offen bei positiven Gefühlen, dann wird optimal gelernt.

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2008, S. 9 f.

Was nicht durch den Bauch geht, bleibt im Kopf nicht hängen.

Rainer Schwing/Andreas Fryszer – Systemische Beratung und Familientherapie, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2013, S. 62


Gefühle haben ihre eigene Logik und steuern mit großer Energie unser Lernen, können es mobilisieren oder auch lähmen. Motivation und Emotion haben nicht umsonst den gleichen Wortstamm: in Bewegung sein.

Eva Scala in: Renoldner, Scala, Rabenstein, einfach systemisch!, Ökotopia Verlag, Münster, 2007, S. 58


Wir, für uns wichtige Menschen, unsere Lebensumstände sind uns wichtig und lernenswert, erst dann kommen Formeln und Formalitäten. Gelernt wird, wo Emotionen im Spiel sind!

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 2008, Beitrag von Ulrich Herrmann: Lernen findet im Gehirn statt, S. 96


Lernen und Gehirn: Zwei Zitate über Selbstvertrauen

Das einzige Gegenmittel gegen Verunsicherung und Angst – auch das können die Hirnforscher inzwischen mit Hilfe ihrer bildgebenden Verfahren objektiv und empirisch nachweisen – ist Vertrauen. Wer kreativ sein will, braucht also Vertrauen in sich selbst, in seine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, in die eigenen Erfahrungen und das eigene Wissen.

Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten – Ein neurobiologischer Mutmacher, 5. Aufl. 2011, Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, S. 131

Angst vor dem Versagen entsteht, wenn das Versagen mit dem Selbstbild verbunden wird.

Deepak Chopra, Das Buch der Geheimnisse, Goldmann Verlag, München 2005, S. 349 f.

Lernen und Gehirn: Zwei Zitate über Wissen

Wissen kann nicht übertragen werden; es muss im Gehirn eines jeden Lernenden neu geschaffen werden.

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 2008, Beitrag von Gerhard Roth über Möglichkeiten und Grenzen von Wissensvermittlung und Wissenserwerb, S. 55


Es mag eigenartig klingen, aber es ist dennoch so: Fast alles, was wir gelernt haben, wissen wir nicht. Aber wir können es.

Manfred Spitzer, Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens, 1. Auflage, Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag 2006, Nachdruck 2012, S. 59

Lernen und Gehirn: Zwei Zitate über Entspannung

Was tust du eigentlich, um dich zu entspannen?» fragt der Schüler seinen Meister. «Nichts», so der Meister. «Wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich esse, esse ich, und wenn ich schlafe, schlafe ich.» «Aber das tun doch alle», der Schüler darauf. «Eben nicht!» die Antwort des Meisters.

Wolfgang Schoembs: Entspannt Konzentriert. Zen im Alltag, Düsseldorf/Wien: Econ, 1991, S. 133

Das Lachen hebt auf der Stelle die physische und geistige Erregung auf, also den inneren Druck.

Katsuki Sekida, Zen-Training, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 1997, S. 177

Lernen und Gehirn: Zwei Zitate über Selbstwirksamkeit

Die Frage ist nicht, wie artig oder unartig ein Kind ist, sondern ob das Kind ein Gefühl entwickelt, Ursprung seiner eigenen Aktionen zu sein, die Quelle zu sein, aus der seine Aktionen entstehen, oder ob das Kind das Gefühl hat, dass seine eigenen Aktionen nicht aus ihm selbst heraus erzeugt werden, sondern aus der Mutter heraus.

Ronald D. Laing, Das geteilte Selbst, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1981, S. 160


Ich hätte viele Dinge begriffen, hätte man sie mir nicht erklärt.

Stanislaw Jerzy Lec: Neue unfrisierte Gedanken, München: Hanser, 1964, S. 46

Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Willensfreiheit

Sehr „willensstarke“ Menschen sind überhaupt nicht frei, sondern von ihren Zielsetzungen getrieben, mit deren Erreichen sie sich belohnen wollen. Es ist die Aussicht auf diese besondere Belohnung, nicht der freie Wille, der
Menschen zu Höchstleistungen antreibt.

Roth, Gerhard: Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1997, S. 311

Der Willensakt tritt auf, nachdem das Gehirn bereits entschieden hat, welche Bewegung es ausführen wird.

Roth, Gerhard: Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2003, S. 523

Faktisch ist es so, dass emotionale Zugänge messbar schneller ablaufen als unsere kognitiven, reflektierenden. Das heißt, bevor «wir selbst» uns entscheiden, etwas zu «wollen», haben die für unsere Emotionen zuständigen neuronalen Strukturen die Situation schon «bewertet» und entsprechende Aktionspotentiale aufgebaut.

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 2008, Beitrag von Heinz Schirp: Neurowissenschaften und Lernen, S.118

Neue Erkenntnisse zu ‚Lernen und Gehirn‘ fürs eigene Lernen nutzen

Die neuen Erkenntnisse über die Rolle neurologischer Prozesse beim Lernen könnten die „Wissensvermittlung“ in Schule, Ausbildung und Beruf revolutionieren. Bislang geschieht dies nur in Ausnahmefällen. Als ehemaliger Gymnasiallehrer weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, in Institutionen mit einer so langen Tradition wie Schulen und Universitäten grundlegende Veränderungen durchzuführen.

Das hindert Schüler und Studenten jedoch nicht daran, ihre eigenen mentalen, emotionalen und physischen Prozesse zu scannen und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, mit deren Hilfe sie ihr eigenes Lernen optimieren können.

Bereits in den 90er Jahren haben mich Beiträge von Wissenschaftlern, die sich mit den Rahmenbedingungen für das Lernen beschäftigen, dazu inspiriert, die neuen Erkenntnisse in meine Arbeit mit Schülern und Studenten als Lerncoach einfließen zu lassen.

Dabei gehen Forschungsarbeit und Coaching Hand in Hand, sodass ich meinen Schülern von Jahr zu Jahr mehr und bessere Techniken für ein Lernen anbieten kann, bei dem Freude und Erfolg keine Gegensätze sind. Umfangreiche und tiefgründige Beiträge sowie Checks, Tipps und Übungen finden Sie auf meiner Website zum Thema Lernen und Konzentration. Dort werden Sie auch einige der obigen Zitate wiederfinden, eingebunden in einem Kontext.