Zitate zum Thema Lernen und Gehirn

Die folgende kleine Sammlung zum Thema Lernen und Gehirn enthält aktuell 36 Zitate von Neurowissenschaftlern, Pädagogen, Psychologen, Philosophen und Vertretern anderer Wissenschaftsbereiche, die sich mit der Frage beschäftigt haben, welchen Einfluss mentale, physische und emotionale Prozesse auf das Lernen haben.
Letzte Aktualisierung: 24.08.2022

Themenübersicht

Motivation
Wahrnehmung
Gefühle
Selbstvertrauen
Wissen
Aufmerksamkeit
Selbstwirksamkeit
Willensfreiheit
Entspannung
Bewusstsein
Gedächtnis
Atmung

Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Motivation

Wer andere zu motivieren versucht, will sie genau genommen nach seinen Vorstellungen bilden, erziehen, einsetzen. Das hat mit Ermutigung und Inspiration zu eigener Potentialentfaltung nichts zu tun.
Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten – Ein neurobiologischer Mutmacher, S. Fischer, Frankfurt am Main, 5. Auflage 2011, S. 126

Jede Methode, die vorhat, das Pferd, das keinen Durst hat, zu tränken, ist bedauerlich. Jede Methode, die den Appetit auf Wissen anregt und das starke Bedürfnis nach Arbeit verstärkt, ist gut.
Célestin Freinet in: Inge Hansen-Schaberg/Bruno Schonig (Hrsg.) – Freinet-Pädagogik, Schneider Verlag, Hohengehren 2002, S. 79
Auszüge aus Freinets Geschichte „Vom Pferd, das keinen Durst hat“ finden Sie auf der Website der Freinet Kooperative e.V.: https://freinet-kooperative.de/grundlagen/ausgewaehlte-texte/vom-pferd-das-keinen-durst-hat/

Dopaminspiegel beeinflussen unsere geistigen Leistungen und unsere Bereitschaft, uns anzustrengen; erst durch Dopamin werden Eindrücke zu Anreizen, es vermittelt uns Motivation, und Dopamin ist der Stoff, mit dem unsere Synapsen lernen.
Frieder Beck, Bewegung macht schlau, Mentale Leistungssteigerung durch körperliche Aktivität, Goldegg, Berlin 2021, S. 217


Lernen und Gehirn: Vier Zitate über Wahrnehmung

Einige Neurobiologen gehen sogar davon aus, dass weit über 99 Prozent aller Gehirntätigkeiten gehirninterne Prozesse sind und maximal 1 Prozent unserer neuronalen Aktivitäten mit der Verarbeitung von Informationen und Eindrücken beschäftigt sind, die uns von außen über unsere Sinne erreichen oder durch die Sinne ausgewählt werden.

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder, Freiburg im Breisgau 2008, Beitrag von Heinz Schirp: Neurowissenschaften und Lernen, S. 113

Jedes Gesicht, das wir sehen, jedes Wort, das wir hören, beginnt auf diese unbewusste Weise – als absurd verdrehte räumlich-zeitliche Folge von Spikes in Millionen Neuronen, die jeweils einen winzigen Teil der gesamten Szene wahrnehmen.

Stanislas Dehaene, Wie das Gehirn Bewusstsein schafft, Knaus, München, 2014, S. 280

Je mehr wir uns auf unsere Probleme konzentrieren, uns damit beschäftigen und in sie vertiefen, desto mehr verfestigen wir sie hirnphysiologisch.

Rainer Schwing/Andreas Fryszer – Systemische Beratung und Familientherapie, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, S. 68

Der bewusste Zugang formt in uns einen Gedanken, indem er aus dem Netzwerk unseres globalen neuronalen Arbeitsbereichs ein Muster aus aktiven und inaktiven Neuronen herausarbeitet.

Stanislas Dehaene, Wie das Gehirn Bewusstsein schafft, Knaus, München 2014, S. 260


Lernen und Gehirn: Vier Zitate über Gefühle

Die moderne Hirnforschung konnte zeigen, welche Bedeutung Gefühle für kognitive Prozesse haben. Sie wirken quasi als Schleuse, durch die neues Wissen ins Gehirn gelangen kann. Die Schleuse ist geschlossen, wenn negative Gefühle dominieren, dann wird weniger gut gelernt, sie ist offen bei positiven Gefühlen, dann wird optimal gelernt.

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder, Freiburg im Breisgau 2008, S. 9 f.

Was nicht durch den Bauch geht, bleibt im Kopf nicht hängen.

Rainer Schwing/Andreas Fryszer – Systemische Beratung und Familientherapie, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, S. 62

Gefühle haben ihre eigene Logik und steuern mit großer Energie unser Lernen, können es mobilisieren oder auch lähmen. Motivation und Emotion haben nicht umsonst den gleichen Wortstamm: in Bewegung sein.

Eva Scala in: Renoldner, Scala, Rabenstein, einfach systemisch!, Ökotopia, Münster 2007, S. 58

Wir, für uns wichtige Menschen, unsere Lebensumstände sind uns wichtig und lernenswert, erst dann kommen Formeln und Formalitäten. Gelernt wird, wo Emotionen im Spiel sind!

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder, Freiburg im Breisgau 2008, Beitrag von Ulrich Herrmann: Lernen findet im Gehirn statt, S. 96


Lernen und Gehirn: Zwei Zitate über Selbstvertrauen

Das einzige Gegenmittel gegen Verunsicherung und Angst – auch das können die Hirnforscher inzwischen mit Hilfe ihrer bildgebenden Verfahren objektiv und empirisch nachweisen – ist Vertrauen. Wer kreativ sein will, braucht also Vertrauen in sich selbst, in seine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, in die eigenen Erfahrungen und das eigene Wissen.

Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten – Ein neurobiologischer Mutmacher, S. Fischer, Frankfurt am Main, 5. Auflage 2011, S. 131

Angst vor dem Versagen entsteht, wenn das Versagen mit dem Selbstbild verbunden wird.

Deepak Chopra, Das Buch der Geheimnisse, Goldmann, München 2005, S. 349 f.


Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Wissen

Wissen kann nicht übertragen werden; es muss im Gehirn eines jeden Lernenden neu geschaffen werden.

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder, Freiburg im Breisgau 2008, Beitrag von Gerhard Roth über Möglichkeiten und Grenzen von Wissensvermittlung und Wissenserwerb, S. 55

Neues wird am einfachsten gelernt, wenn man es mit Bekanntem (Fakten, Ereignisse, Beobachtungen) verknüpft. Das heißt, wer auf einem bestimmten Gebiet schon viel weiß, kann neues Wissen leichter abspeichern und in bestimmte Wissensnetze einbauen.

Martin Korte, Wir sind Gedächtnis, Wie unsere Erinnerungen bestimmen, wer wir sind, Deutsche Verlagsanstalt, München 2017, S. 129

Es mag eigenartig klingen, aber es ist dennoch so: Fast alles, was wir gelernt haben, wissen wir nicht. Aber wir können es.

Manfred Spitzer, Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2006, Nachdruck 2012, S. 59


Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Aufmerksamkeit

In Wahrheit bestimmt Aufmerksamkeit, ob ein unbewusster Reiz verarbeitet wird oder nicht.

Stanislas Dehaene, Wie das Gehirn Bewusstsein schafft, Knaus, München, 2014, S. 112

Im Alltag spielen bewusste Gedanken eine größere Rolle, wenn wir uns in Situationen befinden, die neu für uns sind. Wir widmen den Entscheidungsproblemen dann unsere Aufmerksamkeit und wägen alle Argumente gegeneinander ab, um die bestmögliche Wahl zu treffen.

Amadeus Magrabi in: Rätsel Mensch, Expeditionen im Grenzbereich zwischen Philosophie und Hirnforschung, Hrsg. Steve Ayan, Springer, Berlin/Heidelberg 2017, S. 203 f.

Wir müssen lernen, unsere Aufmerksamkeit gleichzeitig in zwei Richtungen zu lenken – zum einen auf die Gegebenheiten und Anforderungen unseres äußeren Daseins, zum anderen auf die Gedanken, Emotionen und Empfindungen unseres Innenlebens.

Dennis Lewis, Das Tao des Atmens, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 53


Lernen und Gehirn: Zwei Zitate über Selbstwirksamkeit

Die Frage ist nicht, wie artig oder unartig ein Kind ist, sondern ob das Kind ein Gefühl entwickelt, Ursprung seiner eigenen Aktionen zu sein, die Quelle zu sein, aus der seine Aktionen entstehen, oder ob das Kind das Gefühl hat, dass seine eigenen Aktionen nicht aus ihm selbst heraus erzeugt werden, sondern aus der Mutter heraus.

Ronald D. Laing, Das geteilte Selbst, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981, S. 160

Ich hätte viele Dinge begriffen, hätte man sie mir nicht erklärt.

Stanislaw Jerzy Lec: Neue unfrisierte Gedanken, Hanser, München 1964, S. 46


Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Willensfreiheit

Sehr „willensstarke“ Menschen sind überhaupt nicht frei, sondern von ihren Zielsetzungen getrieben, mit deren Erreichen sie sich belohnen wollen. Es ist die Aussicht auf diese besondere Belohnung, nicht der freie Wille, der Menschen zu Höchstleistungen antreibt.

Roth, Gerhard: Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, S. 311

Der Willensakt tritt auf, nachdem das Gehirn bereits entschieden hat, welche Bewegung es ausführen wird.

Roth, Gerhard: Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, S. 523

Faktisch ist es so, dass emotionale Zugänge messbar schneller ablaufen als unsere kognitiven, reflektierenden. Das heißt, bevor «wir selbst» uns entscheiden, etwas zu «wollen», haben die für unsere Emotionen zuständigen neuronalen Strukturen die Situation schon «bewertet» und entsprechende Aktionspotentiale aufgebaut.

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder, Freiburg im Breisgau 2008, Beitrag von Heinz Schirp: Neurowissenschaften und Lernen, S.118


Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Entspannung

Was tust du eigentlich, um dich zu entspannen?» fragt der Schüler seinen Meister. «Nichts», so der Meister. «Wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich esse, esse ich, und wenn ich schlafe, schlafe ich.» «Aber das tun doch alle», der Schüler darauf. «Eben nicht!» die Antwort des Meisters.

Wolfgang Schoembs, Entspannt Konzentriert. Zen im Alltag, Econ, Düsseldorf/Wien 1991, S. 133

Das Lachen hebt auf der Stelle die physische und geistige Erregung auf, also den inneren Druck.

Katsuki Sekida, Zen-Training, Herder, Freiburg im Breisgau 1997, S. 177

Wer beim Lernen über seine Grenzen geht, begreift am Ende gar nichts mehr. Ohne Pausen wissen Neuronen nicht mehr, was sie speichern sollen.

Ralf Caspary (Hg.), Lernen und Gehirn – Wege zu einer neuen Pädagogik, Herder, Freiburg im Breisgau 2008, Beitrag von Josef Kraus: Was hat Bildung mit Gehirnforschung zu tun? S. 152


Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Bewusstsein

Selbst-Bewusstheit impliziert zwei Dinge: sich seiner selbst bewusst sein und sich seiner selbst als Beobachtungsobjekt eines anderen bewusst sein.

Ronald D. Laing, Das geteilte Selbst, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981, S. 91 5. Aufl.

Künftige Neurotechnologien werden die klinische Behandlung von Störungen des Bewusstseins für immer verändern.

Stanislas Dehaene, Wie das Gehirn Bewusstsein schafft, Knaus, München 2014, S. 287

Bewusstsein ist keine Eigenschaft neuronaler Zustände, sondern das Wechselspiel zwischen Gehirn, Körper und Welt.

Alva Noë in: Rätsel Mensch, Expeditionen im Grenzbereich zwischen Philosophie und Hirnforschung, Hrsg. Steve Ayan, Springer, Berlin, Heidelberg 2017, S. 134


Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Gedächtnis

Gefühle haben einen starken Einfluss auf Lern- und Gedächtnisleistungen.

Gerhard Roth: Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt, Klett-Cotta, Stuttgart 2015, S. 209

Unter chronischem Stress verlieren wir an kognitiver Flexibilität, unser strategisches Denken leidet, wir werden weniger schlagfertig und kreativ, wir sind ungehemmter und »fahren schnell aus der Haut«, die verminderte Selbstregulation macht es schwer, an einer Sache dranzubleiben, und das gebremste Arbeitsgedächtnis dämpft unsere Auffassungsgabe.

Frieder Beck, Bewegung macht schlau, Mentale Leistungssteigerung durch körperliche Aktivität, Goldegg, Berlin 2021, S. 63

Lernen, Gedächtnis und Gefühle hängen also hirnanatomisch ganz eng miteinander zusammen, was auch erklärt, warum eine bestimmte Gefühlslage, die der Stimmung entspricht, in der man sich befand, als eine Erinnerung eingespeichert wurde, das Abrufen dieser Erinnerung erleichtert.

Martin Korte, Wir sind Gedächtnis, Wie unsere Erinnerungen bestimmen, wer wir sind, Deutsche Verlagsanstalt, München 2017, S. 36


Lernen und Gehirn: Drei Zitate über Atmung

Wer beim Lernen äußerste Anstrengung anwendet und wem selbst diese nicht zu genügen scheint, dem bleibt kein Mittel mehr, sein Tun zu beschleunigen, oder zu verstärken, oder zu verbessern: er fährt mit Vollgas im ersten Gang … . An diesem Punkt hält er den Atem an, verausgabt sich in überflüssige Anstrengung, ist kaum fähig zu beobachten und wird schwerlich Besserung erzielen.

Moshé Feldenkrais, Bewusstheit durch Bewegung, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978, S. 89

Bevor man die Achtsamkeit erfolgreich auf Gefühle, Gedanken, Emotionen oder den Geist anwenden kann, muss sie im Gewahrsein von Atem und Körper fest verankert sein.

Mark Epstein, Gedanken ohne den Denker, S. Fischer, Frankfurt am Main 2002, S. 153 f.

Wer seine Aufmerksamkeit grundsätzlich verfeinern möchte – um effektiver zu lernen und schneller zu verstehen – der sollte sich um seinen Körper kümmern. In den buddhistischen Meditationen etwa richten die Schüler ihre Aufmerksamkeit zuerst auf ihre Atmung und deren Auswirkung auf den Körper.

Christian Ankowitsch, Warum Einstein niemals Socken trug, Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2016, S. 120