Friedrich Schelling

Zitate von Friedrich Schelling (41)

Friedrich Schelling: * 27.1.1775 in Leonberg, Deuschland – † 20.8.1854 im schweizerischen Bad Ragaz

Der Philosoph Friedrich Schelling war ein führender Vertreter des Deutschen Idealismus. Er ging von der Identität von Geist und Materie aus, weshalb seine Philosophie auch als Identitätsphilosophie bezeichnet wird. Natur sei unbewusster Geist, während der Geist sich seiner selbst bewusst gewordene Natur sei. Alle Gegensätze – wie etwa von Subjekt und Objekt – seien im Absoluten aufgehoben.

Schelling sah bereits in der anorganischen Natur – heute könnte man sagen, seit dem Urknall – ein immanentes, göttliches Prinzip am Werke, aus dem sich stufenweise organisches Leben entwickelte und aus dem wiederum in einem langen evolutionären Prozess die menschliche Vernunft entstand. In dieser kehrt die Natur zu sich selbst zurück, indem sie sich als das erkennt, was sie von Anfang an war: absoluter (göttlicher) Geist.

In seiner Transzendentalphilosophie ging Schelling den umgekehrten Weg, den er noch in der Naturphilosophie beschritten hatte. Johannes Hirschberger fasst die beiden Perioden in Schellings Werk kurz zusammen:

„Wenn Schelling in der Naturphilosophie die Natur sich zum Geist entwickeln läßt, in dem sie sich endlich bewußt selbst anschaut, was sei immer schon wollte, weil sie immer schon Geist war, und wenn er umgekehrt in der Transzendentalphilosophie den Geist sich objektivieren läßt, weil es immer schon zum Geist gehört, daß er sich sinnlich darstellt als Natur, so ist darin schon die nun folgende Periode seines Philosophierens, seine Identitätsphilosophie, angelegt.“ Johannes Hirschberger, Geschichte der Philosophie, Herder Verlag, Freiburg, Basel, Wien, 1969, S. 384

Die Kernaussage der Identitätsphilosophie lautet: Das Absolute als das göttliche Eine ist das in allem identische. Wie die Taoisten (Tao als Urgrund und duale Welt), die Buddhisten (Einheit von Nirvana und Samsara) und in der Philosophie der alten Griechen Aristoteles (noesis noeseos = der sich selbst anschauende Geist) geht auch Schelling von der Einheit im Urgrund (Substanz) aus, die nur im Anschauen als Trennung von Subjekt und Objekt erfahren wird. Diese Position wird auch von Mystikern vertreten wie zum Beispiel Jakob Böhme, der vor allem den späten Schelling beeinflusste.

Während Schelling in der Natur- und Transzendentalphilosophie die Welt noch als ein göttliches Kunstwerk betrachtete, setzte er sich in seiner Schrift Über das Wesen der menschlichen Freiheit mit der Entstehung und Bedeutung des Bösen in der Welt (Theodizeeproblem) auseinander und kam zu folgendem Ergebnis:

„Die Erregung des Eigenwillens geschieht nur, damit die Liebe im Menschen einen Stoff oder Gegensatz finde, darin sie sich verwirkliche.“ Friedrich Schelling, Über das Wesen der menschlichen Freiheit, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1975, S. 93

Goethe ließ Mephisto auf die Frage von Faust, wer er denn sei, antworten „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Goethe und Schelling sehen übereinstimmend in der Dialektik von Gut und Böse die Kraft, die die Evolution der Liebe erst möglich macht. Damit haben beide die für mich überzeugendste Antwort auf die vielleicht wichtigste metaphysische Frage des Menschen gegeben.

Zu den Philosophen, die am stärksten von Schelling beeinflusst wurden, zählen sein Studienkollege G.W.F. Hegel und im 20. Jahrhundert vor allem Martin Heidegger.

 

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