Leo N. Tolstoi

Zitate von Leo N. Tolstoi (81)

Leo N. Tolstoi: * 9.9.1828 im russischen Jasnaja Poljana – † 20.11.1910 in Astapowo, Russland

Neben Dostojewski gehört Tolstoi zu den großen Realisten der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit, wie Jesus sie in der Bergpredigt verkündet und in seinem Leben verkörpert hatte, waren Tolstois Vorbild, dem er sich in Wort und Tat verpflichtet fühlte. Er vertrat diese Werte so radikal, dass er von der Kirche exkommuniziert wurde. Das hinderte ihn nicht daran, sein Leben lang, soziale Ungerechtigkeit zu brandmarken und Repression jeglicher Art an den Pranger zu stellen.

Wie Dostojewski fühlte er sich dem einfachen Volk besonders verbunden und lebte, auch als er bereits Weltruhm erlangt hatte, weiter in einfachen Verhältnissen. Bis zu seinem Tod blieb er ein spiritueller Mensch, der jedoch jede Form institutionalisierten Glaubens ablehnte.

Zeit seines Lebens war Leo Tolstoi ein bodenständiger Mensch, der sich besonders dem Leben der einfachen Leute auf dem Land verbunden fühlte. Sein Studium in orientalische Sprachen und Jura brach er bereits nach drei Jahren ab, um auf sein Familiengut in Jasnaja Poljana zurüchzukehren. Dort versuchte er, das Leben seiner Leibeigenen zu verbessern, ohne dabei nachhaltige Erfolge zu erzielen.

Tolstois radikale Suche nach Werten, die seinem Leben Halt zu geben vermochten, bewog ihn, seine Gedanken in einem Tagebuch festzuhalten, das ihm als Vorlage für seine ersten Erzählungen diente (u.a. Die Kindheit).

Von 1851-1856 machte Tolstoi Karriere beim Militär und sammelte Kriegserfahrungen, die in sein späteres Hauptwerk Krieg und Frieden einflossen, in dem er die Greuel des Krieges mit der Sachlichkeit eines Historikers und der Einfühlsamkeit eines Poeten beschrieb.

Danach reiste er quer durch Europa, um sich u.a. über fortschrittliche Schulsysteme zu informieren. Seine Erkenntnisse auf diesem Gebiet fanden praktische Anwendung bei der Gründung zahlreicher Schulen für Bauernkinder.

Nach dem Erscheinen seiner größten Romane Krieg und Frieden sowie Anna Karenina in den 60er und 70er Jahren fanden Tolstois Werke erstmals weltweit Beachtung. Sein ebenfalls weltberühmter Schriftstellerkollege und Landsmann, Fjodor Dostojewski, hielt Anna Karenina für den größten Roman der europäischen Literatur.

Seit den 80er Jahren fiel es dem Autor zunehmend schwer, die Fürsorge für seine Familie – er hatte 13 Kinder -, seine schriftstellerische Arbeit sowie sein soziales Engagement in Einklang zu bringen. Als er am Ende seines Lebens feststellen musste, dass seine Familie an ihm zweifelte, die Obrigkeit ihn wegen seines leidenschaftlichen Eintretens für soziale Gerechtigkeit kritisch beäugte, und die Kirche ihn wegen seiner unorthodoxen Ansichten exkommunizierte, wollte Leo Tostoi aus seiner Heimatstadt fliehen. Bereits kurz nach Antritt der Reise erlag er einer schweren Lungenentzündung.

 

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