Robert Musil: Wann verstehst du einen Menschen?

Wann verstehst du einen Menschen? Du mußt ihn mitmachen. Du mußt sein wie er: aber nicht du in ihn hinein, sondern er in dich hinaus!
Robert Musil

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Quelle: Der Mann ohne Eigenschaften, Roman/I. Erstes und zweites Buch, 16. Aufl. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002, S. 713, ISBN: 3499134624

Im Originaltext folgt nach „mitmachen“ ein Einschub […].

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Eine Interpretation zu “Wann verstehst du einen Menschen?

  1. Andreas Tenzer, Köln im November 2006

    Unter Verstehen versteht der gewöhnliche Mensch – ebenso wie der konventionelle Wissenschaftler – die Einordnung äußerer Erscheinungen in das kategoriale System des eigenen Wissens. Wer so vorgeht, macht sich alles Äußere zu eigen und entfremdet auf diese Weise die Objekte seines Verstehens von dem, was sie eigentlich sind.

    Um jemanden wirklich zu verstehen, muss man ihm den Raum geben, in den hinein er sich selbst verstehen kann. Ein solches Verstehen ist das Gegenteil eines zergliedernden Analysierens: Es ist das stille, durch achtsame Anteilnahme formende Beobachten des Prozesses, in dem der andere sich auf heilsame Weise zu einem Ganzen zusammensetzt.

    Einfühlungsvermögen bedeutet also nicht, sich in den anderen hineinfühlen, sondern den anderen in sich zu fühlen. Statt eines wissenden Belehrens ist diese Art des Verstehens liebendes Entflammen. So ist es kein Zufall, dass wir uns dann am besten verstanden fühlen, wenn uns jemand auf präsente Weise zuhört.

Wenn Sie ein Zitat interpretieren möchten, können Sie mir Ihren Text gern über das Kontaktformular zukommen lassen. Die Anzahl der Wörter sollte circa 300 bis 600 betragen. Der Text sollte vor allem inhaltlich auf das Zitat Bezug nehmen und nicht nur Ihre Meinung zu dem angesprochenen Thema beinhalten. Andreas Tenzer.