Hermann Hesse: Nichts auf der Welt ist dem

Nichts auf der Welt ist dem Menschen mehr zuwider, als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt!
Hermann Hesse

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Quelle: Demian, Gesammelte Werke Bd. 5, 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1987, S. 48, Zweites Kapitel, Kain, ISBN: 3518381008

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Eine Interpretation zu “Nichts auf der Welt ist dem

  1. Silvia Kahlau im Januar 2011

    Ein Mensch nimmt die Welt um sich herum wahr, indem das Gehirn ein Bild von dieser Welt macht, und dieses Bild dann speichert. Neurologen haben diese Wahrnehmungsarbeit des Gehirns erforscht, und festgestellt, dass die Effizienz unserer Wahrnehmung dergestalt organisiert ist, dass z.B. die Information der visuellen Wahrnehmung durch einen hohen Anteil von schon gespeichertem Wissen aufgefüllt wird. So wie der Computer nicht mehr das ganze Bild neu aufbaut, sondern nur die Veränderung neu abruft, so füllt das Gehirn ein Teil des Bildes der Realität mit den Bildern der inneren Erwartung, also der schon gespeicherten Bildern. Ein sogenanntes „Update“ wird selten realisiert.

    Durch diese Bild-von-der-Realität-Wahrnehmung hat der Komplex „Psyche“ die Möglichkeit, die Wahrnehmung der Realität zu manipulieren. Und die Psyche nutzt diese Möglichkeit, – vor allem hier in unserer westlichen Welt. Der Wunsch, wie die Realität sein sollte, wird dann zur Realität selbst. Diese Illusion ist manchmal so täuschend echt, dass Menschen ihre Illusion für die Realität halten. C.G. Jung hat diesen Komplex der Täuschung, des tun als ob, als Imago beschrieben. Das Imago als Abbild des Selbst.

    „Wir lieben unsere Bilder, die wir uns von der Wirklichkeit machen, weit mehr als die Wirklichkeit selbst. Ja wir merken nicht einmal, dass sich unsere Vorstellungen zwischen uns und die Wirklichkeit geschoben haben und uns damit von der unmittelbaren Erfahrung der Wirklichkeit trennen. In aller Selbstverständlichkeit halten wir die Bilder, die unsere Gedanken entwerfen, die aus Erinnerungen, Wünschen, aus Angst oder Gier gespeist werden, für wahr.“ Hajo Banzaf, Tarot und der Lebensweg des Menschen, S. 142.

    Die Fähigkeit des Menschen, durch die Wahrnehmung der Realität zunächst also ein Bild und somit eine Illusion zu gestalten, (die Bewegung weg vom „Selbst“ hin zum „Imago“ / Selbstbild ) hilft dabei, unerträgliche Situationen zu ertragen. Indem die Realität zum „Bild“ geworden ist, indem der Mensch anfängt, in der eigenen Illusion zu leben, kann er auf dem Weg von Realität zum Bild die Wahrnehmung so beeinflussen, dass Unerträgliches heraus gefiltert oder derart manipuliert wird, damit die „Seele“, oder „das Selbst“ nicht irreparabel Schaden nimmt. „Es ist nicht so schlimm…“.

    Geht der Mensch diesen Weg irgendwann vom manipulierten Selbstbild zum Selbst zurück, kommt er zunächst dieser Selbsttäuschung entgegen. Die Realisierung seiner Illusion der Wirklichkeit ist keine angenehme Erfahrung. Gleichwohl ist sie die Grundlage, um wirklichen Veränderungen Raum zu geben. Auch ist der Weg der Selbsterkenntnis ein Weg, der den Menschen mit all den Feldern wieder in Berührung bringt, die – im eigenen vergangenen oder im karma-bezogenen Leben – diese Notwendigkeit der Illusionierung in sich trägt. Diese unerträglichen und deshalb nicht integrierten Erfahrungen liegen nun auf diesem Weg nach Innen zum Selbst. Allein durch die Begegnung werden sie aus der Erstarrung geholt und können sich in den jetzigen Lebensentwurf integrieren.

    Hierbei ist das größte Problem, dass der Mensch in seinem Inneren nicht weiß, dass durch die Zeit hindurch die vormals unerträglichen Erfahrungen nun – durch die Zeitkomponente – wohl integrierbar sind. Er erfährt diese unerträglichen Erfahrungen in der Zeitlosigkeit.

    Wenn jedoch diese eingefrorenen inneren Elemente wieder beweglich werden, geben sie diese angestaute Energie frei. Und diese Erfahrung ist die innerste Erfahrung von Energie durch Trance.

    siehe auch: Silvia Kahlau, http://www.energie-durch-trance.de/Texte2.htm

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