Robert Musil: Moral ist Zuordnung jedes Augenblickszustandes unseres

Moral ist Zuordnung jedes Augenblickszustandes unseres Lebens zu einem Dauerzustand!
Robert Musil

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Quelle: Der Mann ohne Eigenschaften, Roman/I. Erstes und zweites Buch, 16. Aufl. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002, S. 869, ISBN: 3499134624

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Eine Interpretation zu “Moral ist Zuordnung jedes Augenblickszustandes unseres

  1. Andreas Tenzer, Köln im März 2007

    Die Basis jeder Moral ist die Annahme, dass verschiedene Lebenssituationen vergleichbar seien. Moralische Grundsätze haben insofern eine entlastende Funktion, als sie den Menschen, der sich nach ihnen richtet, von dem Zwang befreien, in jedem Augenblickszustand neu zu entscheiden, was zu tun ist. Stattdessen braucht der moralische Mensch seine Grundsätze einfach nur auf die Kategorie anzuwenden, in die er die jeweilige Situation eingeordnet hat.

    Hier stellt Musil die entscheidende Frage: Sind verschiedene Lebenssituationen prinzipiell vergleichbar? Wenn ja, wäre die Entlastungsfunktion der Moral gerechtfertigt, andernfalls aber würde sie den Menschen daran hindern, eine der jeweiligen Lebenssituation angemessene Entscheidung zu treffen.

    Robert Musil geht davon aus, dass jeder Augenblickszustand einzigartig ist und seine Zuordnung zu einem Dauerzustand somit «unmoralisch». Dazu schreibt er an anderer Stelle: «Der moralischste von allen Sätzen ist der: die Ausnahme bestätigt die Regel!» (a.a.O., S. 747). Häufig führt Musil Beispiele aus dem Rechtswesen als Belege für seine These an. Jedes Verbrechen sei einzigartig und unvergleichbar, während das Strafmaß in der Regel gleich sei oder sich in relativ engen Bandbreiten bewege. Urteile jeder Art, besonders aber richterliche, seien deshalb lediglich durch die praktische Unmöglichkeit zu begründen, eine einzigartige Augenblickssituation angemessen einzuschätzen.

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