Emile Michel Cioran: Geschwätz ist jede Konversation mit einem,

Geschwätz ist jede Konversation mit einem, der nicht gelitten hat.
Emile Michel Cioran

Über Emile Michel Cioran, mehr Zitate von Emile Michel Cioran (44)

Quelle: Die verfehlte Schöpfung, 2. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1981, S. 105, ISBN: 3518370502

Bewertungen insgesamt:
4.48/5 (44)

Bewertungen

Dieses Zitat versenden Dieses Zitat versenden (bisher 0 mal versandt)

Eine Interpretation zu “Geschwätz ist jede Konversation mit einem,

  1. Andreas Tenzer, Köln im Dezember 2006

    Cioran spricht hier nicht von einer leidvollen Erfahrung, die am darauffolgenden Tag bereits wieder vergessen ist, denn in diesem Sinne hat schließlich jeder Mensch mehr als ein Mal gelitten. Gemeint ist ein Leid, das den Menschen in seinen Grundfesten erschüttert, ihn an den Rand der Verzweiflung bringt. Die meisten Menschen versuchen sich vor einem solchen existenzbedrohenden Leid zu verbarrikadieren, was dieses jedoch nicht daran hindert, immer wieder erneut anzuklopfen.

    Die einzige Möglichkeit, dieses Leid nicht direkt einzulassen, besteht darin, es nicht fühlen zu wollen. So kann man es sich wenigstens eine Zeit lang vom Leibe halten. Der Preis dafür ist eine schleichende Verkümmerung des Gefühls, bis schließlich Freude und Leid nur noch innerhalb einer engen Bandbreite empfunden werden können. Deshalb weiß, wer nie existenziell gelitten hat, weder was Freude noch was Leid ist.

    Wer dagegen die Höllenqualen eines herzzerreißenden Leids durchlebt hat, bleibt empfänglich für die gesamte Palette menschlicher Gefühle von der höchsten Ekstase bis zum qualvollsten Schmerz. Gelingt es ihm dann noch, beliebige Gefühlszustände mit Gleichmut hinzunehmen, das heißt in der Ekstase den Schmerz und im Schmerz die Ekstase mitzufühlen, was wäre dann für einen solchen Menschen die Konversation mit einem gefühlsgestutzten Gegenüber anderes als sinnloses Geschwätz?

Wenn Sie ein Zitat interpretieren möchten, können Sie mir Ihren Text gern über das Kontaktformular zukommen lassen. Die Anzahl der Wörter sollte circa 300 bis 600 betragen. Der Text sollte vor allem inhaltlich auf das Zitat Bezug nehmen und nicht nur Ihre Meinung zu dem angesprochenen Thema beinhalten. Andreas Tenzer.