Eine Interpretation zu “Die Hölle, das ist die Unvorstellbarkeit

  1. Andreas Tenzer, Köln im November 2006

    Was uns das Leben schenkt, nehmen wir gern als selbstverständlich hin. Deshalb sind Dankgebete relativ selten. Größerer Beliebtheit erfreut sich das Wunschgebet, bei dem es um etwas geht, was der Betende entbehrt, aber stark begehrt. Kaum einem Menschen fremd ist die dramatischste Form des Gebets, das Notgebet.

    Man muss nicht einmal ein gläubiger Mensch sein, um in einer existenziellen Notsituation göttlichen Beistand zu erbitten. Das gilt besonders für die extremste Form des Notgebets, dem Verzweiflungsgebet. Selbst eingefleischte Atheisten haben davon berichtet, dass sie in Momenten völliger Verzweiflung, wo sie nicht mehr in der Lage waren, das ihnen aufgebürdete Leid zu ertragen, gebetet haben bzw. beten mussten. Die Unvorstellbarkeit des Gebets in solchen Augenblicken wäre die Hölle, das heißt Verzweiflung als Dauerzustand.

    Man stelle sich einen Menschen vor, der auf bestialische Weise zu Tode gequält wird, ohne reale Aussicht auf Rettung. Vorausgesetzt, es handele sich nicht um einen unerschütterlichen Zen-Meister, der diese Situation gelassen auszuhalten imstande wäre: Was bliebe einem solchen Menschen anderes übrig, als die Zuflucht zu einer höheren Macht und die Bitte, ihn aus dem gegenwärtigen Höllenzustand zu befreien? Ohne diese Zufluchtsmöglichkeit wäre er in der Hölle.

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