Eine Interpretation zu “Der wirkliche Zustand des Menschen ist

  1. Andreas Tenzer, Köln im Dezember 2006

    Wo alles Zeichen ist, ist nichts das, was es zu sein scheint, sondern wesentlich das, wofür es sich zeigt. In der Terminologie des Quantenphysikers David Bohm: Jeder Erscheinung in der expliziten Ordnung, das heißt der sinnlich wahrnehmbaren Welt, liegt eine unmanifestierte Essenz im Urgrund der impliziten Ordnung zugrunde.

    Dieser Gedanke ist über 2500 Jahre alt und ist noch heute die philosophische Kernthese im Taoismus, Buddhismus und Hinduismus. Mit obiger Aussage möchte Musil verdeutlichen, dass das Eigentliche des Menschen sich nicht in seinem Sosein erschöpft. Ein Mensch, der ohne jede Transzendenz vollkommen im faktisch Realen aufgehe, befinde sich in einem unwirklichen Zustand.

    Wie Musil an anderer Stelle betont, sei der Mensch nur im ekstatischen Zustand der Liebe wirklich. Liebe ist für Musil der Zustand, wo alles Zeichen ist, weil nur in ihr die Trennung zwischen Manifestationen und Urgrund aufgehoben sei. So ist die Liebe die transformierende Kraft, in der alles Diesseitige als Zeichen in unmittelbarer Verbindung zum Jenseitigen steht und somit die Trennung zwischen Diesseits uns Jenseits aufhebt.

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