Robert Musil: Der Mensch fürchtet nämlich den Teufel,

Der Mensch fürchtet nämlich den Teufel, der ihm ins Fleisch fährt, auch wenn er so tut, als bekämpfe er ihn, lange nicht so sehr, wie die Erleuchtung, die ihm vom Geiste kommt.
Robert Musil

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Quelle: Der Mann ohne Eigenschaften, Roman/I. Erstes und zweites Buch, 16. Aufl. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002, S. 847, ISBN: 3499134624

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Eine Interpretation zu “Der Mensch fürchtet nämlich den Teufel,

  1. Andreas Tenzer, Köln im November 2006

    Der ins Fleisch gefahrene Teufel hat einiges zu bieten: Macht, Ruhm, Reichtum, sinnliche Genüsse usw. Die Erleuchtung ist demgegenüber in einer schwachen Position. Sie hat zunächst nichts weiter auf der Habenseite als das Wissen um die relative Nichtigkeit jener teuflischen Angebote, ist also primär negativer Natur.

    Das gilt auch für den größten Trumpf in ihrer Hand: die Aufhebung der Aufspaltung in Sein und Bewusstsein. Positiv formuliert ist Erleuchtung die Erfahrung des Einsseins. Dafür kann man sich in einer Welt, der der Teufel ins Fleisch gefahren ist, jedoch wenig kaufen. Aus diesem Grund fürchtet der diesseitig eingebundene Mensch die Erleuchtung wie der Teufel das Weihwasser. Er weiß, was die Erleuchtung ihm nehmen, nicht aber, was sie ihm bringen wird.

    So erklärt sich, weshalb nur selten ein Mensch sich ohne Not für die Erleuchtung öffnet. Die besten Rahmenbedingungen für eine „Erleuchtung, die vom Geiste kommt“ sind deshalb persönliche Krisen und Katastrophen, die mit Urgewalt die relative Nichtigkeit des bisherigen Daseins offen legen und so das Auge für die Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit öffnen.

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