Oscar Wilde

Zitate von Oscar Wilde (35)

Oscar Wilde: * 16.10.1854 in Dublin – † 30.11.1900 in Paris

«Das Geheimnis des Lebens liegt in der Suche nach Schönheit.» Dieser Satz des Autors ist ebenso programmatisch für Oscar Wildes Leben wie für seine Literatur. Angewidert von der neurotischen Zwangsmoral des Viktorianischen Zeitalters, verschrieb er sich einer tiefgründigen Leichtigkeit des Seins, die auf Ästhetik und nicht auf Moral basiert. Moral sei «immer die Zuflucht der Leute, die Schönheit nicht begreifen.»

Wilde war fasziniert vom Schönheitsideal der alten Griechen. Nichts liebte er mehr als schöne, lebensfrohe Körper, Geister und Seelen. Und obwohl – vielleicht auch weil – er selber ein hochreflektierter Mensch war, reizte ihn ganz besonders das Wilde, Unfertige und Unreflektierte der Jugend. Sein Bekenntnis, stets mehr von Jüngeren als von Älteren gelernt zu haben, scheint glaubhaft. Jugend bedeutete für ihn vor allem, noch nicht durch gesellschaftliche Konditionierungen neurotisiert zu sein.

Um Wildes Vorliebe für schöne, junge männliche Körper zu verstehen, sollte man bedenken, dass diese Körper für ihn ganz wesentlich die Verkörperung von Spontaneität, Authentizität, Individualität und purer Lebenslust bedeuteten. Mit einem Menschen zusammen sein und nicht zu wissen, was im nächsten Augenblick geschieht: Das war für Wilde der Inbegriff von Erotik, und dass er diese Erotik leichter bei unkonventionellen jungen Freunden und ungehemmten männlichen Prostituierten finden konnte als in seiner Ehe, ist durchaus nachvollziehbar.

Auch dürfte kaum überraschen, dass Wilde mit seiner Geisteshaltung und Lebensführung irgendwann mit den Repräsentanten des viktorianischen Regimes in Konflikt geraten musste. Im Jahre 1895 wurde er wegen Unzucht zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Es wird vermutet, dass sein früher Tod im Jahre 1900 auch mit den körperlichen und seelischen Belastungen während der Gefangenschaft im Zusammenhang steht. Im Gefängnis schrieb Wilde: «Eine der Tragödien im Gefangenenleben ist, dass es das Herz eines Mannes in Stein verwandelt. Die Gefühle natürlicher Zuneigung verlangen wie alle anderen Gefühle eine Nahrung, sie können leicht an Entkräftung sterben.»

Noch vor der Begründung der modernen Psychologie hatte Wilde eine fundamentale psychologische Gesetzmäßigkeit auf den Punkt gebracht: «Jeder Trieb, den wir unterdrücken, keimt in unserem Inneren weiter und ist ein Gift.» Hier wird der Einfluss Nietzsches auf Wilde deutlich, mit dem ihm sein Nonkonformismus und ein seismographisches Gespür für gesellschaftliche Widersprüche verband. Wer glaubt, das Thema Triebunterdrückung habe sich in den letzten Jahrzehnten durch Liberalisierungen erledigt, der werfe einen Blick auf die Statistiken der psychischen Erkrankungen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen (z.B. Allergien, ADS, Drogensucht, Aggressivität) haben diese zum Teil dramatisch zugenommen.

Je mehr wir unser Leben reglementieren, desto berechenbarer wird es, und desto mehr geht die Lebendigkeit verloren. Wir ersticken in Wissen und Gewissheiten. Wer glaubt, dass wir einen Punkt erreicht haben, wo kognitive Abrüstung zugunsten intuitiver Entfaltung not tut, der findet bei Oscar Wilde Anregungen für eine Trendumkehr wie z.B. diese: «Reizvoll ist nur die Ungewißheit. Der Nebel macht die Dinge zauberhaft.»

 

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